Folge den Nutzern, nicht den Verkäufern

wo gehts lang  Folge den Nutzern, nicht den Verkäufern

Ich höre und lese immer wieder Aussagen wie “Wir müssen was mit Facebook machen” oder eben mit Twitter, Google+,YouTube, Instagram, Pinterest, Vine und wie die Netzwerke alle heißen. Zuletzt ging sogar Snapchat durch die Runde. Das klingt auch alles immer ganz gut, was man da nicht alles gut machen kann, Vorreiter sein und so weiter. Klar, als Vertriebler muss man ja Argumente beim Kunden platzieren und Aufträge für den Controller abschließen. Allerdings, und das lese ich zum Glück auch ganz häufig, ist es Quatsch einem beliebigen Unternehmen das gerade hippe Netzwerk aufzudrücken.

From Network to network – we keep going on

Könnt ihr euch noch an StudiVZ erinnern? Bestimmt. Was war damals los, als man Werbung schalten konnte! Und Corporate Gruppen, der ganz heiße Shice! Ich selbst war davon zunächst auch sehr begeistert, allerdings stellte sich schnell heraus, dass die Anzeigenpreise enorm teuer waren und Corporate Gruppen nutzlos und nicht akzeptiert waren. Nicht, dass die Idee dahinter per se schlecht war, im Grunde machen wir auf Fanpges bei Facebook nichts anderes, aber der Grund für den Niedergang der VZ-Netzwerke war gleichfalls der Grund für das scheitern der Gruppen – alles war in sich geschlossen, damit nicht einfach skalierbar und die Zeit war wohl einfach noch nicht reif für Business in Social Networks. Konnte man ja auch gut bei dem heftigen Shitstorm der Vodafone-Blogger Kampagne beobachten.

Lustigerweise ist nachbetrachtend XING, bzw OpenBC, das erste Social Network in dem ich geschäftliche Erfolge verbuchen konnte. Allerdings war XING für Agenturen weniger interessant, bestenfalls konnte man kleine Coachings dafür verkaufen.

In 2008 kam dann in Deutschland, aus meiner Sicht, die digitale Wende. Facebook etablierte sich, Corporate Blogs entstanden an allen Ecken. Und schon ging er los: der Netzwerkhype. Du MUSST bei Facebook dabei sein. Für viele Unternehmen stimmt(e) das sogar. Nach Facebook kam Twitter, kurz darauf entdeckte man das riesige Potenzial von YouTube, tumblr darf an dieser Stelle natürlich auch nicht unerwähnt bleiben. Zwischendurch natürlich der Facebookkiller Google+. Gefolgt von Instagram und Pinterest, vor einem Jahr dann Snapchat und mittlerweile weckt der Gedanke an über 20 Millionen Deutsche Nutzer große Begierlichkeiten in Whatsapp.

Für so manchen Berater ist das ein absolutes Schlaraffenland. Ganz von allein entsteht Bedarf nach Bedarf, kaum ist man irgendwo gelandet lockt schon der nächste Dienst.

Doch macht das wirklich Sinn? Muss jedes Unternehmen, jede Marke überall mitmachen? Ich glaube nicht. Bereits vor 4 Jahren (wie die Zeit doch rennt) habe ich einen Beitrag mit der Überschrift “Der Blog als Social Media Basis” veröffentlicht. Diese Ansicht hat sich in diesen 4 Jahren, bei mir persönlich, im Grunde nicht geändert. Nur über mein eigen gehostetes Blog habe ich immer die volle Kontrolle. Nur auf meinem eigenen Blog kann ich alle Aktivitäten in diversen Netzwerken sammeln und für die Ewigkeit aufbewahren. Nur hier ist meine Arbeit vor jeglichem Verfall und Hype sicher. Und trotzdem bewahre ich mir die Flexibilität an Facebook, YouTube, Twitter, Instagram, Pinterest und so weiter zu partizipieren. Selbst ein tumblr-Blog kann nebenbei laufen, wenn man sich dort mehr Effekt erhofft. Soll heißen: das einzige Grundelement in fast jeder Social Media Konzeption ist aus meiner Sicht ein Blog. Einzig Facebook würde ich, aufgrund seiner enormen Verbreitung durch alle Bevölkerungsschichten, noch als mögliches Must-Have deklarieren, aber auch nicht in allen Fällen.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle gar nicht gegen neue Channels argumentieren. Im Gegenteil: Wenn es passt(!), sollte man nicht erst im Anschlusszug sitzen, während die Konkurrenz bereits im Zug davor die erste Klasse besetzt.

 Folge den Nutzern, nicht den Verkäufern

Wie gesagt, es ist völlig natürlich und in gewissem Maße verständlich, dass die Verkäufer (oder was auch immer auf der Visitenkarte steht) bestehenden und neuen Kunden ein aufkommendes Netzwerk schmackhaft machen wollen. Auch die Agenturen müssen Geld verdienen!

An dieser Stelle kommt dann eben ein guter Berater oder der eigene Social Media Manager ins Spiel. Selbstverständlich ist in bestimmten Branchen ein Engagement auf vielen Kanälen sinnvoll. Unter bestimmten Voraussetzungen. Die einfachste und grundlegendste Frage ist dabei immer: Wo sind die für mich relevanten Nutzer? Facebook hat zum Beispiel, entgegen hunderter Medienmeldungen, nicht große Mengen an Nutzern verloren. Allerdings wird Facebook deutlich weniger genutzt als vor 1-2 Jahren. Neben dem größten Social Network der Welt haben sich spezielle Dienste wie Instagram, Pinterest oder Whatsapp etabliert. Dort werden eben Fotos, Grafiken oder Kurznachrichten ausgetauscht – Nutzerzeit die Facebook verloren hat. Durch die Spezialisierung sind diese Netzwerke für manche Marken besonders reizvoll, andere Unternehmen würden dort nur Ressourcen verschwenden. Diese Chancen zu evaluieren ist aber nicht Aufgabe eines Verkäufers, auch wenn die sich immer öfter Berater nennen.

Diese Verschiebungen der Nutzer kann mittelfristig auch dazu führen, dass das Engagement auf einer Plattform enorm reduziert, oder sogar eingestellt wird. Wenn ich meine Zielgruppe nicht mehr ausreichend auf Facebook erreiche gibt es 2 Möglichkeiten: Mit mehr Ressourcen mehr Channels bedienen oder die Ressourcen anders aufteilen.

Facebook Reichweiteverluste

Ein weiterer Aspekt, der zu einer Verschiebung der Ressourcen führen kann (und in manchen Fällen dringend sollte) sind Änderungen von Plattformen selbst. Facebook macht es Fanpagebetreibern zunehmend schwer ihre Botschaften unters Fanvolk zu bringen. Die Höhe der notwendigen Budgets ist in den letzten Jahren förmlich explodiert, wie auch Marc zuletzt treffend feststellte. Eventuell erkennt Facebook diesen zu radikalen Einschnitt und mildert die Probleme der Unternemen wieder, ob und wann das geschieht weiß aber nur Facebook selbst.

Fazit

Es war vor 4 Jahren schon angebracht und es ist auch Heute noch so: Ein eigenes Blog ist die einzige  sichere Konstante in der Social Media Welt. Glücklicherweise ist es einfach möglich seine Aktivitäten in den einzelnen Social Networks dort zu bündeln, Inhalte zu sammeln und sich damit einigermaßen unabhängig von Nutzerwanderungen und Plattformänderungen zu machen. Hat man diese Basis, fällt es auch viel leichter auf neue Möglichkeiten im Social Media Marketing Setup zu reagieren. Schließlich reißt man mit wechselnden Fokus auf einen neuen Channel nicht die jahrelange Arbeit an anderer Stelle komplett ein. Trotzdem, und das möchte ich zum Schluss hin deutlich betonen, ist es enorm wichtig am Ball zu bleiben und sich abzeichnende Trend frühzeitig zu erkennen. Beginnt ein neues Network zu wachsen und ist es für die eigenen Zwecke sehr gut geeignet, spricht nichts dagegen auch mit geringen Ressourcen eine kleine Basis auf der “neuen” Plattform zu schaffen, um dann, wenn es richtig los geht, der Konkurrenz schon einen Schritt voraus zu sein. Auch dazu ist ein Blog übrigens eine tolle Basis, die dort verfolgte Contentstrategie lässt sich im Prinzip auf jede Plattform adaptieren – den dort geltenden Regeln und gebotenen Anforderungen entsprechend.

 

Diesen Artikel haben wir für Sie gefunden auf:


http://feedproxy.google.com/~r/marketing-guide/~3/o8pRWqE5RuU/

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.